Darüber, was eine Booking- & Management-Agentur eigentlich macht, ihre Künstler und ein nachhaltiges Nachtleben

Wir lieben das Nachtleben, aber als Ärzte sehen wir auch die Kehrseite der Medaille. Angetrieben von dem Wunsch, Menschen mit ehrlichen, wissenschaftlich fundierten Nahrungsergänzungsmitteln zu unterstützen, versuchen wir, eine Brücke zwischen Gesundheit und der teils kräftezehrenden Realität des Clublebens zu schlagen. In einer Welt, in der Ärzte der Supplement-Industrie generell mit großer – und oft berechtigter – Skepsis begegnen, versuchen wir, genau diese verlässliche Ausnahme zu sein. Um die Musikindustrie und die Bedürfnisse der Menschen, die darin arbeiten, wirklich zu verstehen, ist es entscheidend, mit den Leuten hinter den Kulissen zu sprechen. Außerdem möchten wir unseren Followern einen Einblick in die Branche geben. Deshalb haben wir uns mit Sonja und Samir zusammengesetzt, den treibenden Kräften hinter der Good Life Agency. Als neutrale Partei wollten wir ihre Vision der elektronischen Musikindustrie, den immensen Druck auf junge Künstler und ihre erfolgreiche Suche nach einem nachhaltigen Dasein im Nachtleben hören.

Der Weg zu einer Karriere in der Nacht

Der Weg zu einer erfolgreichen Karriere in der Musikindustrie ist selten vorgezeichnet. Während man in vielen Branchen eine bestimmte Ausbildung absolviert und dann brav die Karriereleiter hinaufklettert, funktioniert das im Nachtleben grundlegend anders. Sonja, 38 Jahre alt und wohnhaft in Amsterdam, studierte ursprünglich Marketingkommunikation. Während ihres Pflichtpraktikums bei einer traditionellen Werbeagentur merkte sie schnell, dass sie dieses Umfeld nicht wirklich fesseln konnte. Ihre wahre Leidenschaft lag im Nachtleben, wo sie viel Zeit verbrachte. Die Erkenntnis, dass sie ihr Marketingwissen ebenso gut für einen Club einsetzen konnte, an den sie tatsächlich glaubte, brachte sie zum legendären Club TrouwAmsterdam, dem Vorgänger des wegweisenden De School. Von diesem Moment an war sie endgültig Feuer und Flamme und rutschte von einer Position in die nächste. Sie lernte das Handwerk einfach durchs Machen – ein Ansatz, der bezeichnend für die gesamte Branche ist und in dem sie sich als äußerst talentiert erwies.

Für den 35-jährigen Samir aus Utrecht verlief der Anlauf mindestens genauso organisch. Schon in jungen Jahren war er vom Ausgehen fasziniert. Was in lokalen Teenie-Discos in Utrecht begann, wuchs schnell zu einer tief verwurzelten Liebe zur elektronischen Musik heran. Während seines Studiums der Kommunikationswissenschaften steckte er fest; die Theorie sprach ihn nicht an und er suchte nach Orientierung. Ein Praktikum bei Time Warp, einer großen deutschen Techno-Organisation, die damals riesige Events in der Utrechter Jaarbeurs veranstaltete, öffnete ihm die Augen. Er entdeckte, wie es hinter den Kulissen zuging, und merkte, dass ihm der Umgang mit Künstlern und das Organisieren von Dingen von Natur aus lagen. Um in einer Branche, die für verschlossene Türen und schlecht bezahlte Einstiegspositionen bekannt ist, wirklich Fuß zu fassen, beschloss er, ein weiteres Praktikum zu absolvieren. Diesmal bei Sonja, die zu dieser Zeit den äußerst erfolgreichen Act Dam Swindle managte.

Von intensivem Management zur eigenen Vision

Die Zeit, in der Sonja und Samir gemeinsam für Dam Swindle arbeiteten, glich einem Schnellkochtopf. Der Act flog um die ganze Welt, hatte ein eigenes Plattenlabel und veröffentlichte kontinuierlich neue Musik. Als Managerin schwebte Sonja wie ein Helikopter über allen Facetten ihrer Karriere. Sie steuerte Booking-Agenten weltweit, überwachte die Buchhaltung, arrangierte Pressekampagnen und plante Studiosessions. Es war ein Job, der hundert verschiedene Aufgaben umfasste und rund um die Uhr weiterlief. Samir, der in dieser Zeit als ihr Assistent fungierte, lernte die Feinheiten des Geschäfts, indem er zu Studiosessions mitging und einfach gut zuhörte und beobachtete.

Diese intensive Lernphase bildete das Fundament für das, was später die Good Life Agency werden sollte. Heute hat sich ihre Rolle gewandelt und sie arbeiten zusammen als vollwertige Agentur. Sie vertreten eine starke Gruppe von 15 Künstlern, wobei der Fokus größtenteils auf dem Booking liegt. Obwohl sich die Arbeit im Kern vom allumfassenden Management eines einzigen riesigen Acts unterscheidet, bringen sie ihren großen Erfahrungsschatz in die Betreuung ihres aktuellen Rosters ein. Die Künstler, mit denen sie heute arbeiten, sind meist jung und stehen am Anfang ihrer Karriere. Auch wenn die offizielle Stellenbeschreibung beim Booking auf die Vermittlung von Auftritten beschränkt ist, entscheiden sich Sonja und Samir bewusst dafür, viel weiter zu gehen. Gemeinsam mit den Künstlern erarbeiten sie strategische Pläne, tauschen sich über Releases aus und helfen bei wichtigen Entscheidungen.

Die Dynamik einer durchschnittlichen Arbeitswoche

Was macht eine Agentur eigentlich konkret an einem x-beliebigen Wochentag? Neben dem Booking reicht das Aufgabenspektrum in der Praxis viel weiter. Sie kümmern sich um Events, Social-Media-Strategien, anstehende Releases und die Planung von Podcasts. Die Kontaktmomente mit den Künstlern variieren enorm und sind komplett auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmt. Während sie mit dem einen Künstler fast täglich sprechen, um schnelle Entscheidungen zu treffen oder das Tagesgeschäft zu besprechen, haben sie mit dem anderen einen festen wöchentlichen Telefontermin. Manchmal ziehen sich Künstler auch bewusst für eine Weile zurück, beispielsweise um sich voll und ganz auf die Ausarbeitung eines komplexen neuen Live-Sets zu konzentrieren. In solchen Fällen wechseln sie zu einem monatlichen Meeting, bei dem der Blick viel weiter in die Zukunft gerichtet wird, um die groben strategischen Linien vorzugeben.

Der Rhythmus ihrer Arbeitswoche mag für Außenstehende etwas widersprüchlich wirken. Wo man erwarten würde, dass Panik und Arbeitsdruck in Richtung Wochenende zunehmen, ist das Gegenteil der Fall. Der Montag ist traditionell ein ziemlich ruhiger Tag. Veranstalter, Clubbesitzer und Programmer haben selbst ein intensives Wochenende hinter sich und nehmen sich montags oft frei, um sich zu erholen. Ab Dienstag läuft der Motor wieder an, wobei Mittwoch und vor allem Donnerstag die absoluten Spitzen-Tage sind. Am Donnerstag muss fast alles geregelt, abgestimmt und kommuniziert sein. Das macht den Freitag zu einem auffallend entspannten Tag, der hauptsächlich im Zeichen des Abschlusses steht. Wenn man am Freitag noch essenzielle Dinge für eine Show regeln muss, die am Samstagabend stattfindet, ist man schlichtweg zu spät dran. Der Freitag wird daher so weit wie möglich für Notfälle freigehalten, wodurch Raum entsteht, selbst einmal durchzuatmen, bevor der Wochenend-Wahnsinn losbricht und sie oft selbst zu den Shows ihrer Künstler aufbrechen.

Die Philosophie einer nachhaltigen Karriere

Der Name ihrer Agentur trägt eine doppelte Bedeutung, die perfekt zu ihrer Vision der Branche passt. Sie weigern sich schlichtweg, Terminkalender vollzustopfen, um kurzfristig so viel Geld wie möglich zu scheffeln – eine Praxis, die in der Booking-Welt leider immer noch zu oft vorkommt. Stattdessen glauben sie fest an eine nachhaltige Karriere für den Künstler, für sich selbst und für die gesamte Szene. Es ist ein pragmatischer, aber sehr menschlicher Ansatz. Indem sie in den menschlichen Aspekt investieren und nicht nur harten Geschäftsabschlüssen hinterherjagen, bauen sie eine Beziehung auf, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert. Sie sind davon überzeugt, dass sich diese Loyalität langfristig auszahlt, besonders wenn einem Künstler schließlich der nationale oder internationale Durchbruch gelingt.

Dennoch ist ihnen nur zu gut bewusst, dass es sich um eine Zusammenarbeit handelt. Egal wie sehr sich eine Agentur ins Zeug legt, ein Künstler muss selbst die Motivation und den Input mitbringen, um wachsen zu können. Der eine hat schon in jungen Jahren eine gestochen scharfe Vision, während ein anderer kontinuierlich an seinem Sound als Künstler feilt. Durch ständiges Evaluieren und Nachjustieren versuchen sie, den Weg so reibungslos wie möglich zu gestalten. Dabei müssen sie auch in einer Landschaft navigieren, die immer herausfordernder wird. Veranstalter von Festivals und Clubnächten kämpfen seit der Corona-Pandemie mit steigenden Energiepreisen, Inflation, Wohnungsnot, die kulturelle Freiräume verschlingt, und hohen Personalkosten. Der Druck auf dem Markt ist spürbar, was die Notwendigkeit eines durchdachten und nachhaltigen Ansatzes nur noch vergrößert.

Mentale Gesundheit und der einsame Kontrast

Einer der verletzlichsten Aspekte einer Karriere in der elektronischen Musik ist die mentale Gesundheit. Das Leben eines erfolgreichen DJs ist per Definition nicht normal und fordert einem physisch und mental das Äußerste ab. Es gibt einen bizarren und hartnäckigen Kontrast, mit dem Künstler umgehen lernen müssen. In dem einen Moment steht man vor einer tobenden Menge von tausenden Menschen, das Adrenalin schießt durch den Körper und man wird von jedem im Raum angehimmelt. Ein paar Stunden später sitzt man erschöpft, mit Ohrensausen und einem gestörten Rhythmus, mutterseelenallein in einem anonymen Hotelzimmer oder wartet an einem kalten Flughafen auf den nächsten Flug.

Diese ständigen Höhen und Tiefen, kombiniert mit schlaflosen Nächten, extrem viel Reiserei und einem Mangel an Stabilität, verlangen einem Menschen enorm viel ab. Um auf Top-Niveau zu performen und nicht an diesen Extremen zugrunde zu gehen, ist ein gewisses Maß an Struktur entscheidend. Sonja und Samir bieten hierin so viel Begleitung wie möglich. Manchmal fungieren sie als halbe Psychologen, indem sie einfach ein offenes Ohr haben oder rechtzeitig auf die Bremse treten. Wo nötig, ziehen sie externe Experten wie Coaches oder Therapeuten hinzu, um ihren Künstlern zu helfen, einen gesunden Rahmen für ihr Leben zu schaffen. Glücklicherweise stellen sie fest, dass das Stigma rund um mentale Gesundheit und Sucht in der Branche langsam aber sicher abnimmt. Es gibt mehr Offenheit, auch wenn es für viele immer noch ein sehr persönlicher und verletzlicher Prozess bleibt, öffentlich darüber zu sprechen.

Der gnadenlose Druck des Algorithmus

Neben den physischen und mentalen Herausforderungen des Tourens ist in den letzten Jahren eine neue Form von Druck entstanden, die die Branche fest im Griff hat. Der Einfluss von Social Media, und insbesondere Plattformen wie Instagram und TikTok, ist gigantisch geworden. Für viele Künstler reicht es nicht mehr aus, nur gute Musik zu produzieren und ein starkes Set zu spielen. Es wird erwartet, dass sie ständig sichtbar sind, mit kurzen Videoclips viral gehen und ein makelloses Online-Image pflegen. Für die Good Life Agency ist dies ein zweischneidiges Schwert. Einerseits betreuen sie ihre Künstler intensiv bei der Festlegung ihrer Online-Strategie und der Erstellung von Inhalten, da sie wissen, dass dies essenziell für deren Wachstum ist. Andererseits bedauern sie, dass Popularität in den sozialen Medien heutzutage manchmal schwerer wiegt als die tatsächliche musikalische Qualität oder das technische Können hinter den Plattentellern.

Dennoch betrachten sie diese Entwicklung realistisch. Letztendlich bestimmen die Festival- und Clubbesucher den Markt. Sie kaufen die Tickets, und wenn sie den Fokus auf die Künstler legen, die auf ihrer Timeline vorbeiziehen, müssen Booker und Programmer zwangsläufig mitziehen, um zu überleben. Der Algorithmus diktiert zunehmend das Line-up. Auch auf musikalischer Ebene sehen sie, wie Trends die Landschaft bestimmen. Nach der Stille der Corona-Lockdowns entstand ein enormes Bedürfnis nach Eskapismus, was sich in einem Trend zu knallhartem, schnellem Techno niederschlug. Laut Samir hat dies jedoch wenig mit einer verringerten sozialen Atmosphäre auf der Tanzfläche zu tun, sondern ist vielmehr eine natürliche Wellenbewegung in der Musik. Eine neue Generation grenzt sich von der vorherigen ab und kreiert ihren eigenen Sound. Sie bemerken bereits jetzt, dass die Extreme langsam abflachen und wieder Raum für neue, vielschichtigere musikalische Strömungen entsteht.

Ein notwendiges Ventil

Letztendlich ist es wichtig, das Nachtleben weiterhin im richtigen Licht zu betrachten. Es ist eine Welt voller Extreme, Herausforderungen und Druck, aber vor allem erfüllt es eine grundlegende Funktion in unserer Gesellschaft. Wie Samir und Sonja treffend zusammenfassen, ist absolut nichts falsch daran, ab und zu mal ordentlich über die Stränge zu schlagen. Menschen haben das Bedürfnis zu tanzen, Spaß zu haben und nach einer stressigen Arbeitswoche Dampf abzulassen. Gerade weil die Menschen am Wochenende im Club für eine Weile alles loslassen können, haben sie die Energie und die mentale Ruhe, um am Montag wieder richtig zu funktionieren – sei es im Büro oder, wie in unserem Fall, im Krankenhaus.

Das Nachtleben wird immer ein Ort der Verbindung und der Entladung bleiben. Der Schlüssel zu einem langen und glücklichen Leben in dieser Branche – sowohl für den Künstler als auch für den Besucher – liegt im Bewusstsein. Genieße die Höhepunkte, sei dir der Risiken bewusst und sorge dafür, dass du dir genügend Zeit zur Erholung nimmst. Mit der richtigen Balance und Menschen, die wirklich mitdenken, wie die engagierten Gesichter hinter der Good Life Agency, wird sich das "Good Life" vorerst noch eine ganze Weile weiterdrehen.